Industriedesign

Über Kreativität

Über Kreativität, Kreatives Arbeiten und seine Facetten

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Kreativität im Industriedesign

Industrie- bzw. Produktdesign ist als Disziplin zwischen Kunst und Technologie bekannt. Doch es gibt noch viele weitere Schnittstellen, wie Ergonomie, Psychologie, Wirtschaft und und und. Im folgenden Artikel möchte ich ein paar Gedanken zu Kreativität zusammentragen.

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Was ist Kreativität?

Definition

In meiner Jugend habe ich viel gezeichnet und auch gemalt. Deutlich öfter als heute. Ich zeichne nur noch im Rahmen meiner Arbeit. Mir fehlt heute irgendwie die Inspiration. Ja, ich würde sogar so weit gehen und mich als unkreativ bezeichnen, wenn es um meine künstlerische Seite geht. Doch ich arbeite in einem kreativen Beruf, denn ich bin Industriedesigner. Wie passt das zusammen?

Dies führt mich zu einer grundlegenden Frage, nach der Definition:

Was ist Kreativität?

Herkunft

Erstmal könnte man sagen, alles bei dem Menschen etwas erschaffen, also etwas kreieren, erfordert Kreativität. Dazu kann man weit in die Vergangenheit schauen. Die Erfindung des Rades, das Bändigen des Feuers und dann die Erfindung komplexerer Geräte und Hilfsmittel, von Faustkeil, über Beile, Pfeil und Bogen bis hin zur Dampfmaschine viele Jahre später. Die Tüftler*innen müssen über Probleme nachdenken und können sich das Leben erleichtern. Aber auch Höhlenmalerei und Schrift sind frühe Produkte der Kreativität.

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Was ist Kreativität?

Kunst und Technik

Aber die Kultur darf nicht vergessen werden. Für Kunst, Musik und Literatur braucht die Menschheit auch Kreativität. Diese Werke sind aber erst deutlich später entstanden, als die Menschen bereits die Möglichkeit hatte, die Konzentration frei, auf nicht lebensnotwendige Dinge zu lenken – Wenn man so will, den Luxus erfand.

Gibt es also unterschiedliche Arten von Kreativität?

Kreative Prozesse

Wenn man die verschiedenen künstlerischen Disziplinen betrachtet, gibt es schon deutliche Unterschiede. Der kreative Prozess ist bei Personen die malen oder musizieren beispielsweise sehr unterschiedlich. Ein*e Maler*in sucht sich ein Objekt aus um es abzumalen oder denkt sich das Motiv eventuell komplett aus. Musiker*innen erschaffen ihre Melodien zumeist wie aus dem nichts. Bei beiden Disziplinen gibt es unterschiedliche Stile. Doch, denke ich, haben beide das gleiche Verlangen – sich selbst auszudrücken. Die persönliche Sicht auf die Welt zu kommunizieren, Denkanstöße geben, Emotionen vermitteln. Das ist beim Industriedesign nicht ganz so. Wir versuchen im Designprozess die Kund*innen, oder besser gesagt die Kund*innen unserer Kund*innen zu verstehen. Wir helfen sozusagen anderen Menschen dabei, sich selbst auszudrücken. Aber kann man Industriedesign und Kunst überhaupt so vergleichen? Gibt es so etwas wie künstlerische und technische Kreativität?

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Was ist Kreativität?

Kunst und Technik

Ich bin der Meinung das beispielsweise auch Softwareentwicklung ein sehr kreativer Beruf ist. Die Person erschafft das Programm ja auch aus dem Kopf heraus. Es ist also eine schöpferische Tätigkeit, wie das Anfertigen von Kunst. Die Schöpfer*innen denken über Dinge nach und drehen und wenden in ihren Gedanken, reden darüber und kommen so zu einer Idee.

Das gleiche gilt für Industriedesign. Man formt eine Idee zu einem physikalischen Objekt um, gibt ihm eine Gestalt. Wir entwickeln auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen, nach unserem eigenen Ermessen und unserer Intuition. Es gibt sicherlich noch viele andere technische Berufe, die man als kreativ betrachten kann.

Kann man Kreativität lernen?

Kreativmethoden

Ich denke ja! Denn Jede*r, in den genannten Berufen Arbeitetende, lernt während der Ausbildung oder des Studiums das nötige Handwerkszeug. Es ist eher eine Frage der Einstellung.

Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, fallen die Probleme ins Auge. Die Dinge und Services des Alltags lassen sich immer noch weiter verbessern. Der Zeitgeist ändert sich, wir müssen uns anpassen, aber auch die Welt an uns.

Nur wie kann man die Einstellung der Menschen ändern?

Für kreative Prozesse gibt es Methoden, die funktionieren. Man kann in der Dokumentation dieser Methoden, wie aus einem Kochrezept lesen, was genau zu tun ist. Beispielsweise beim Brainstorming oder Brainwriting wird zunächst eine anregende Atmosphäre aufgebaut. Es wird ein Umfeld erzeugt bei dem nicht Geurteilt wird, damit die Teilnehmer*innen sich auch trauen, ihre Ideen und Einfälle ungefiltert zu äußern.

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Kreativmethoden

Designthinking

Diese Methoden werden unter dem Begriff Designthinking auch in anderen Berufen angewandt.

Das Mindset von Designer*innen, also Aufgeschlossenheit und Neugier soll transportiert werden, in dem man im Rahmen von Workshops den Teilnehmer*innen die Arbeitsweise und Methoden näher bringt. Wenn der Funke erstmal übergesprungen ist, kann daraus dann ein richtiges Feuer entstehen.  Kreativität lässt sich also durchaus lernen.

Alles was es dafür braucht, ist ein wenig Abstand zu den Dingen, damit sie auch unvoreingenommen betrachtet werden können.  Wer sich selbst zurück nimmt und die Gedanken einfach mal schweifen lässt, zum beispiel während einer Zugfahrt, bekommt die Ideen von ganz allein. Zumindest fühlt es sich so an.

Kreative Blockaden

Jede*r Kreativarbeiter*in hat auch mal mit Blockaden zu tun.  Es ist wichtig, sich selbst nicht zu sehr unter Druck zu setzen, wenn die (vermeintlich) guten Ideen nicht gleich kommen. Bei mir ist es meistens so, dass ich etwa eine Woche nach dem ersten Briefing warte und mich in dieser Zeit gar nicht mit dem Projekt bzw. dem Thema beschäftige. Und meistens ca. nach etwa drei Tagen kommen die Ideen von ganz alleine. Wenn ich morgens im Zug sitze und meine Gedanken von ganz allein zur Problemstellung wandern beispielsweise.

Als Künstler*in oder Musiker*in hat man sich irgendwann mit den Dingen die stören beschäftigt, die eigene Meinung in ein Kreativprodukt verwandelt und bevor sich auf etwas neues gestürzt werden kann, fühlt man evtl. eine Leere. Daher ist es wichtig sich immer wieder neuen Input zu holen, über den Tellerrand zu blicken und sich auch mal mit Dingen zu beschäftigen, die außerhalb der Komfort-Zone sind.

Als Industriedesigner*in hat man den Luxus, auf fremde Ideen zurückgreifen zu können.

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